Feuerwehr Hessisch Lichtenau 112

Feuerspritze aus dem Jahr 1903

Beschaffung einer Feuerspritze mit Bau eines Spritzenhauses


Aus Aktenmaterial der Hess.- Brandversicherungsanstalt geht hervor, daß die Beschaffung von Feuerwehrgerätschaften  für die Gemeinde recht beschwerlich war.
In einem Erwiderungsschreiben vom 26. Mai 1897 des Königlichen Landratsamtes Witzenhausen an den Direktor der Hess.-Brandversicherungsanstalt  wird die Anschaffung einer Feuerspritze mit folgender  Begründung abgelehnt  ( Originaltext ):

Der Königl. Landrath                         Witzenhausen , den 26.Mai 1897
 A. NO 1430

                   Erwiderung auf das Schreiben vom
                                  12. r. Mtl. J. III a No 4626

   Die  Gemeinde  Friedrichsbrück hat die Anschaffung einer Feuer-
Spritze wiederholt abgelehnt. Die kleine Gemeinde besteht aus nur
23 Häusern, die Einwohner beschäftigen sich als Bergleute und Fabrik-
Arbeiter, sind deshalb meist abwesend.  Bei  einem ausbrechenden
Brande würde eine Spritze wenig nützen, weil es an  Mannschaften
zur Bedienung, sowie  zum Herbeischaffen des Wassers fehlt. Die
Gebäude stehen in Friedrichsbrück immer  20 - 30 m voneinander
entfernt.
  Ich halte die Beschaffung einer Spritze nicht für notwendig.

                            Bischoffshausen

An
den Herrn
Direktor der Hessischen
Brandversicherungsanstalt

- Zitatende -

In einem Schreiben an den Herrn Direktor der Hess.-Brandversicherungsanstalt in Cassel vom 21. Nov. 1901 schreibt der damalige Bürgermeister Wickmann, daß die Gemeinde Friedrichsbrück von maßgebender Seite angehalten wurde, eine Feuerspritze anzuschaffen,die Gemeindevertretung aber den Bedarf nicht ganz einsieht, da in der kleinen Gemeinde die Häuser einzeln stehen und bei einem größeren Brand wenig zu befürchten wäre. Es dürften auch wenig geeignete Leute im Orte vorhanden sein, die eine Spritze bedienen könnten.
Sollte sich die Anschaffung einer Spritze nicht umgehen lassen, so wollen sie auf die angebotene alte Spritze lieber verzichten und sodann eine neue kaufen.
Allerdings müßten sie dann auch ein Spritzenhaus bauen, da kein anderer Raum zur Unterbringung vorhanden wäre.
Ein solches Haus, in recht einfacher Ausführung hergestellt, käme der Gemeinde immerhin 300 M.
Daneben noch eine Spritze zu kaufen wäre für die Gemeinde unmöglich.Nach Auffassung der Gemeinde könnte die Angelegenheit nur so geregelt werden, indem die Landesversicherungsanstalt die Baukosten
des Spritzenhauses übernimmt und eine Unterstützung von 450 M zum Kaufpreis für die Anschaffung der Spritze gewährt.
Die Gemeinde bittet den Herrn Direktor gütigst, diese Unterstützung zu gewähren.Sie fügt dem Anschreiben ein „Preis Cuvert“ der ausgesuchten Spritze mit Katalog der Fa. Schäfer aus Eschwege bei.

Aus einer erstellten  Vermögensübersicht vom 27. Dez. 1901
- bezüglich des Antrags auf Gewährung einer Unterstützung für die Spritze und das Spritzenhaus- ist die Größe der Gemeinde ersichtlich:
    - der Grundbesitz der Einwohner beträgt 75 Hektar
    - in 27 Haushaltungen  ( 24 Häuser ) leben 159 Einwohner
    - im Ort sind ein Backhaus und ein Teich vorhanden.

  1. In weiteren Anschreiben an
                    1. das Königliche Landratsamt zu Witzenhausen  am 13.Januar 1902       
                    2. den Herrn Direktor der Brandkasse zu Cassel, über das Königliche Landratsamt zu Witzenhausen am 3. März 1902
                    3. den Herrn Direktor der Hess. Brandversicherungsanstalt am                  16. Juni 1902
    erbittet der Bürgermeister Wickmann gnädigst die Übernahme der anfallenden Kosten für Spritze und Spritzenhaus, da die kleine Gemeinde Friedrichsbrück sehr arm sei. Eine Kostenübernahme durch die Gemeinde könnte nur durch eine weitere Umlage auf die Einwohner finanziert werden. Diese zusätzliche Belastung kann von den Friedrichsbrückern jedoch nicht erbracht werden. Sollte die Bitte der Gemeinde versagt werden, so wolle sie auf die Anschaffung der Spritze verzichten.

Am 9. August 1902 bewilligt der Landes-Ausschß eine Beihilfe von 400 Mark für die vorveranschlagten Anschaffungskosten der Spritze in Höhe  von 785 Mark. Es handelt sich dabei um eine zweirädrige Saug- und Druckspritze von der Firma Schäfer in Eschwege,  mit 100 mm weiten Zylindern und 30 m Schlauch.
Für die Finanzierung des Restkaufgeldes der Spritze ( 385 Mark ) und der veranschlagten Spritzenhauskosten von 450 Mark wird ein Darlehen bis 800 Mark, zu 2 % Zinsen und einer Rückzahlung in 10 gleichen Jahresraten angeboten.
Bei Gewährung der Beihilfe ist die Feuerwehr dem Central-Verband der Feuerwehren für den Regierungsbezirk Cassel als Mitglied beizutreten.

Am 15. November 1902 richtet der Bürgermeister Wickmann ein weiteres Gesuch an das Königliche Landratsamt mit der Bitte um Vorsprache beim Landes-Ausschuß wegen einer Zuschußerhöhung.

Am 7. Januar 1903 bewilligt der Landes-Ausschuß eine weitere Beihilfe in Höhe von 200 Mark. Zugleich wird das Darlehen von  800 Mark auf 600 Mark herabgesetzt.

Am 1. September 1903 wurde im Beisein des Direktors der Hess. Brandversicherungsanstalt und des Feuer-Inspektors  die Spritze in Friedrichsbrück abgenommen. Bei diesem Termin wurde festgestellt, daß in den Umfassungswänden des massiv erbauten Spritzenhauses die Anbringung mehrerer Lichtöffnungen noch erforderlich ist und daß eine gründliche Reinigung des Feuerteiches notwendig sei.

Die endgültigen  Kosten für Spritze und Spritzenhaus betrugen:
Spritze                              923 Mark
Spritzenhaus                     700 Mark
Feuerwehrausrüstung        126 Mark
                                      1749 Mark
Beihilfe                          -  600 Mark
_________________________________
Anschaffungsksoten        1149 Mark

Mit Schreiben vom 17. April 1904 an das Königliche Landratsamt bescheinigt der Oberbrandmeister des
Bezirks Hess.-Lichtenau, Herr Schweinsberg, daß die Organisation der Feuerwehr in
Friedrichsbrück nun vollständig sei und daß man sich im Brandfalle auf die Mannschaft verlassen kann.

Das Spritzenhaus  wurde in den 50-ziger  Jahren umgebaut . Es wurden zusätzliche Räumlichkeiten für ein Bürgermeisteramt und Wohnräume  geschaffen.   

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